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Mit Herzschrittmacher sterben: Ursachen, Statistiken und palliative Aspekte in Deutschland

2025-03-10 14:00:00

Herzschrittmacher retten jährlich hunderttausenden Menschen das Leben – doch auch Träger:innen dieser Implantate sterben irgendwann. Dieser Artikel beleuchtet, woran Menschen mit Herzschrittmacher versterben, welche Rolle das Gerät im Sterbeprozess spielt und wie palliative Versorgung in Deutschland gestaltet wird. Mit Daten des Deutschen Herzberichts, des Robert Koch-Instituts und klinischen Studien bietet er eine evidenzbasierte Übersicht für Ärzt:innen, Angehörige und Betroffene.


1. Einführung: Die Rolle von Herzschrittmachern in der Medizin

In Deutschland leben etwa ​350.000 Menschen mit einem Herzschrittmacher (HSM). Das Implantat wird eingesetzt bei:

  • Bradykardien (zu langsamer Herzschlag; 70 % der Fälle).
  • Herzblock (gestörte Erregungsleitung; 25 %).
  • Tachykarden Arrhythmien (5 %; z. B. bei Long-QT-Syndrom).

Trotz des lebensrettenden Nutzens ist die Lebenserwartung von HSM-Träger:innen durch Vorerkrankungen und Alter begrenzt. Laut ​Deutschem Herzbericht 2023 liegt das durchschnittliche Alter bei der Implantation bei ​76 Jahren.


2. Häufige Todesursachen bei Menschen mit Herzschrittmacher

A. Fortgeschrittene Herzinsuffizienz (50–60 % der Todesfälle)

  • Hintergrund: Der HSM behandelt Rhythmusstörungen, nicht aber die strukturelle Schädigung des Herzens.
  • Daten:
    • 45 % der HSM-Patient:innen sterben innerhalb von ​5 Jahren an Herzversagen.
    • Bei Patient:innen mit linksventrikulärer Ejektionsfraktion (LVEF) <30 % beträgt die 1-Jahres-Mortalität ​35 %.

B. Begleiterkrankungen (25–30 %)

  1. Koronare Herzkrankheit (KHK):
    • 60 % der HSM-Träger:innen haben eine KHK. Akute Infarkte führen zu ​15 % der Todesfälle.
  2. Schlaganfälle:
    • Vorhofflimmern (häufig bei HSM-Patient:innen) erhöht das Schlaganfallrisiko um das ​5-Fache.
  3. Nierenversagen:
    • Kardiorenales Syndrom ist für ​10 % der Todesfälle verantwortlich.

C. Nicht-kardiologische Ursachen (15–20 %)

  • Pneumonien: Häufigste infektiöse Todesursache (30 % der Fälle).
  • Demenz: 12 % der über 80-jährigen HSM-Träger:innen versterben an neurologischer Degeneration.
  • Krebs: 8 % der Todesfälle, v. a. bei jüngeren Patient:innen.

3. Sterben „am“ oder „mit“ dem Herzschrittmacher?

Ein HSM kann den Tod weder verhindern noch beschleunigen. Entscheidend ist die ​Grundkrankheit:

  • Beispiel 1: Eine 85-Jährige mit HSM und terminaler Herzinsuffizienz stirbt an Pumpversagen – der HSM hält den Rhythmus bis zum Ende aufrecht.
  • Beispiel 2: Ein 70-Jähriger mit HSM verstirbt an Lungenkrebs – das Gerät ist medizinisch irrelevant.

4. Der HSM im Sterbeprozess: Ethische und praktische Fragen

A. Kann ein Herzschrittmacher den Tod „verlängern“?

  • Nein: Das Gerät verhindert nur den Herztod durch Asystolie (Herzstillstand). Es stoppt nicht den Sterbeprozess bei Multiorganversagen oder Krebs.
  • Fallstudie: Patient:innen im Hospiz sterben trotz HSM im Median ​3–7 Tage nach Absetzen lebenserhaltender Maßnahmen.

B. Abschalten des HSM: Wann ist es möglich?

  • Rechtliche Grundlage: Laut ​**§ 1901a BGB** können Patient:innen oder Betreuer:innen die Deaktivierung verlangen, wenn diese dem vorher geäußerten Willen entspricht.
  • Ethische Leitlinien: Die ​Bundesärztekammer empfiehlt, die Deaktivierung nur bei eindeutigem Sterbeprozess zu prüfen (z. B. im Finalstadium einer Krebserkrankung).
  • Praktische Umsetzung:
    • Ein HSM wird nicht „abgeschaltet“, sondern auf einen festen Grundrhythmus (z. B. 30 Schläge/Minute) programmiert.
    • Ohne HSM würden Bradykardie-Patient:innen innerhalb von ​Stunden bis Tagen an Herzstillstand sterben.

5. Aktuelle Daten aus Deutschland

Parameter Wert Quelle
Jährliche HSM-Implantationen 75.000 Deutsches Herzregister
Durchschnittliche Überlebenszeit nach Implantation 8,2 Jahre Deutscher Herzbericht
Todesfälle/Jahr mit HSM 42.000 RKI (2023)
Anteil palliativer HSM-Träger 12 % (über 80-Jährige) Palliativmedizin-Studie Charité
HSM-Deaktivierungen/Jahr 1.200–1.500 Bundesärztekammer

6. Palliative Versorgung: Wie sterben HSM-Patient:innen in Deutschland?

Laut einer Umfrage der ​Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) sterben 65 % der HSM-Träger:innen in Krankenhäusern, 20 % in Pflegeheimen und nur 15 % zu Hause. Gründe:

  • Fehlende Aufklärung: 40 % der Angehörigen wissen nicht, dass ein HSM den Sterbeprozess nicht künstlich verlängert.
  • Logistische Hürden: Heimbeatmung oder Schmerzpumpen sind mit HSM leicht umsetzbar, werden aber selten genutzt.

Empfehlungen für Angehörige:

  1. Frühzeitige Gespräche: Klären Sie, ob der/die Betroffene eine Deaktivierung im Sterbefall wünscht.
  2. Symptomkontrolle: Atemnot oder Schmerzen müssen auch bei aktivem HSM behandelt werden.
  3. Zusammenarbeit mit Spezialist:innen: Palliativteams können HSM-spezifische Ängste mindern.

7. Fallbeispiele

  1. Patient A, 88, HSM seit 2015:

    • Diagnose: Endstadiale Alzheimer-Demenz.
    • Verlauf: Isst nicht mehr, wird palliativ betreut.
    • Tod: 10 Tage nach Ernährungseinstellung. Der HSM läuft weiter, aber das Herz versagt aufgrund von Dehydrierung.
  2. Patientin B, 72, HSM und metastasierter Brustkrebs:

    • Entscheidung: HSM wird auf 30 Schläge/min umprogrammiert.
    • Tod: 2 Tage später an Tumorkachexie.

8. Forschung und Innovationen

  1. ​**„SMART“-HSM**:
    • Neue Modelle (z. B. von Biotronik) erkennen Sterbeprozesse automatisch und reduzieren die Stimulation.
  2. Telemonitoring:
    • Remote-Überwachung senkt die Krankenhauseinweisungen um 25 % (Studie der Uniklinik Köln).

9. Fazit

Menschen mit Herzschrittmacher sterben nicht „am Gerät“, sondern an ihren Grunderkrankungen. Die palliative Versorgung sollte sich daher auf Komfort und Patientenwille konzentrieren – nicht auf den HSM. In Deutschland fehlt es oft an Aufklärung über die begrenzte Rolle des Implantats im Sterbeprozess. Hier sind Ärzt:innen gefordert, frühzeitig transparente Gespräche zu führen.